Berlin hebt sich nicht nur innerhalb Deutschlands, sondern in ganz Europa durch seine Vielzahl an Theatern und renommierten Schauspielern hervor. Über Jahrhunderte hinweg haben talentierte Künstler der Muse Melpomene ihre Spuren in der Theatergeschichte hinterlassen. Einer von ihnen war Karl-Wilhelm-Ferdinand Unzelmann – Schauspieler, Theaterregisseur, Opernsänger und einer der berühmtesten Komiker des 19. Jahrhunderts. Gegen den Willen seiner Familie wählte er das Theater als seine Berufung und wurde zu einer herausragenden Persönlichkeit der „Weimarer Schule“ des dramatischen Künstlertums. Mehr auf berlinski.net.
Wie er sein Talent bewies

Karl-Wilhelm-Ferdinand Unzelmann wurde im Juli 1753 in Braunschweig geboren. Schon mit 14 Jahren begeisterte er sich für das Schauspiel, nachdem er eine reisende Theatertruppe erlebt hatte. Er schloss sich ihr an und zog durch die Städte des Landes. Es dauerte einige Jahre, bis er 1778 sein Debüt am Nationaltheater Berlin gab, das später zum Königlichen Hoftheater wurde. Seine erste Rolle war die eines Offiziers in Shakespeares „Macbeth“. Die Regisseure waren so beeindruckt von seiner Darbietung, dass er bereits einen Monat später die Rolle des Edgar in „König Lear“ erhielt. Sein gefühlvolles Spiel begeisterte das Publikum.
Neben seiner darstellerischen Begabung verfügte der junge Karl über eine beeindruckende Tenorstimme und hervorragende Tanzfertigkeiten. 1781 erhielt er ein Engagement in Hamburg, doch die geringe Bezahlung veranlasste ihn, nach zwei Jahren wieder nach Berlin zurückzukehren. Dort wurde er mit offenen Armen empfangen und erhielt bedeutende Rollen: Hamlet und Franz Moor in Schillers „Die Räuber“. Dennoch feierte er die größten Erfolge als Komiker – besonders in der Rolle des geschickten Schneiders in „Der Schneider und sein Sohn“. Weitere bejubelte Darbietungen waren seine Rollen als Marinelli in Lessings „Emilia Galotti“ und Gianettino Doria in „Fiesco“.
Erfolg in Frankfurt am Main und Mainz

Doch Unzelmann war nicht nur talentiert, sondern auch ruhelos. Plötzlich verließ er Berlin und nahm ein Engagement in Frankfurt am Main an. Dort spielte er 1784 Montauban in „Lanasa“ von Plumique und begeisterte das Publikum als Giraud in „Liebe unter Handwerkern“. Seine mitreißende Darstellung wird oft mit einer persönlichen Lebenswende erklärt: Er verliebte sich in die bezaubernde Friederike-Conradina-Augusta Flittner und heiratete sie 1785. Sie verbrachten 15 Jahre als Ehepaar, bevor sie sich schließlich trennten.
Während seiner Zeit in Frankfurt kam Unzelmann in Kontakt mit Johann Wolfgang von Goethes Mutter, Frau Rat. Sie bewunderte sein Talent, unterstützte ihn finanziell und förderte das junge Paar. Besonders gefeiert wurden Friederike und Karl, als sie 1785 Figaro und Susanna in „Die Hochzeit des Figaro“ von Beaumarchais spielten.
Der Regisseur Grossmann erkannte Unzelmanns Potenzial und besetzte ihn in zahlreichen Hauptrollen, darunter Hector Gonzaga in „Emilia Galotti“, Rat Brand in „Räuschchen“ und Ritter Hildebrand in „Der Mönch von Carmel“. Als Grossmann die Leitung des Theaters in Mainz übernahm, folgte ihm Unzelmann dorthin. Dort begeisterte er nicht nur durch seine schauspielerischen Qualitäten, sondern auch als Opernsänger und talentierter Tänzer. Dennoch entschied er sich nach einiger Zeit zur Rückkehr nach Berlin, nicht zuletzt aufgrund von Eifersüchteleien unter den Schauspielern und finanziellen Schwierigkeiten.
Rückkehr nach Berlin

1788 kehrte er nach Berlin zurück, wo man ihn und seine Frau herzlich empfing. Sein Comeback im Königlichen Nationaltheater war glanzvoll: Er spielte Ruberg in Ifflands „Das Bewusstsein“ und seine Frau übernahm die Rolle der Nina in „Wahnsinn aus Liebe“. Die Berliner Zuschauer empfingen sie mit großem Jubel, und bald gehörten sie zu den bestbezahlten Darstellern der Hauptstadt.
Einen seiner größten Erfolge feierte Unzelmann 1788 mit der Rolle des Fabricius in „Geschwister“ von Goethe. Auch als Figaro in „Der Barbier von Sevilla“, Leporello in „Don Giovanni“ und Papageno in „Die Zauberflöte“ war er umjubelt. Sein Charme, seine humorvolle Leichtigkeit und seine ausdrucksstarke Stimme machten ihn zum Liebling des Publikums.
Die Vielseitigkeit eines begnadeten Komikers

Kritiker lobten Unzelmanns unerschöpfliche Kreativität und seine Fähigkeit, Charaktere immer wieder neu zu interpretieren. Er war ein Meister der Komik, beherrschte aber auch tragikomische Nuancen, die sein Spiel besonders einzigartig machten. Seine Darstellung des Bürgermeisters in Kotzebues „Deutsche Provinzstadt“ und Lari-Fari im Wiener Lustspiel „Die Donaujungfrau“ gehörten zu seinen herausragendsten Rollen.
Abschied von der Bühne

Zu Beginn der 1800er-Jahre begann Unzelmanns Stern zu sinken. Der Hof bevorzugte zunehmend den Sänger Elmenreich, wodurch Unzelmanns Popularität abnahm. Daraufhin versuchte er sich als Regisseur und inszenierte ab 1814 mehrere erfolgreiche Komödien. Doch von der Bühne konnte er sich nicht ganz verabschieden. Anlässlich seines 50-jährigen Bühnenjubiläums organisierte er eine großartige Abschiedsvorstellung, in der er als Martin in „Fanchon“ von Himmel auftrat. Seine Darbietung wurde mit tosendem Applaus gefeiert.
Nach seinem offiziellen Rückzug 1823 erhielt Unzelmann weiterhin eine Pension als Ehrenmitglied des Königlichen Nationaltheaters. Obwohl er nicht mehr auftrat, blieb er dem Theater treu und war ein gern gesehener Gast. Von seiner Frau lebte er nach der Scheidung getrennt, doch mit seinen Söhnen Friedrich-Ludwig und Karl-Wolfgang hielt er engen Kontakt. Karl-Wilhelm Unzelmann verstarb im April 1823, und unzählige Bewunderer erwiesen ihm die letzte Ehre.