Die meisten berühmten Schauspieler hinterließen ihre Spuren in ein oder zwei Theatern, in denen sie viele Jahre tätig waren. Doch das Leben der bekannten Schauspielerin des frühen 20. Jahrhunderts, Berta-Helene Drews, verlief anders. Sie spielte im damals populären „Volksbühne“, am Preußischen Staatstheater, am Schiller-Theater in Berlin und war zudem auch im Film aktiv. Als Ehefrau des bekannten deutschen Schauspielers Heinrich George und Mutter des Schauspielers Götz George war sie selbst eine herausragende Künstlerin, die in die Geschichte des deutschen Theaters einging. Mehr dazu auf berlinski.net.
Die Herausforderungen in der Jugend
Berta-Helene Drews wurde im November 1901 als Tochter des Professors Karl Drews, eines Lehrers an einer Maschinenbauschule, geboren. Die Familie wohnte in Berlin, im heutigen Stadtteil Tempelhof, zog aber kurz nach ihrer Geburt nach Stettin und dann nach Posen, wo Berta das Lyzeum besuchte. Nach dem Abitur entschied sie sich für ein Gesangsstudium an der Hochschule für Musik in Berlin, denn sie träumte von einer Karriere als Opernsängerin. Doch ihr Plan wurde durch einen Schicksalsschlag durchkreuzt: 1924 verlor Drews nach einem schweren emotionalen Schock ihre Stimme. Eine andere hätte vielleicht verzweifelt aufgegeben, aber nicht Berta. Sie beschloss, Schauspielerin zu werden, und bewarb sich an der Schauspielschule von Max Reinhardt am Deutschen Theater, wo sie sofort aufgenommen wurde.
Erste Rollen und Erfolge

Berta Drews debütierte 1925 als Lady Mortimer in Shakespeares „Heinrich IV“ am Stuttgarter Theater. Ein Jahr später wechselte sie ans Münchner Kammerspiel-Theater, wo sie mit großem Erfolg die Hanna Schall in „Fuhrmann Henschel“, Eliza Doolittle in „Pygmalion“ und Spelunken-Jenny in der „Dreigroschenoper“ spielte. Berühmt wurde sie als herausragende Charakterdarstellerin in modernen Stücken von Carl Zuckmayer. 1931 erfüllte sich ihr großer Traum: Sie zog nach Berlin und wurde Mitglied der Volksbühne, wo sie zusammen mit dem populären Hans Albers in Ferenc Molnárs „Liliom“ auf der Bühne stand. 1933 wechselte sie ans Schauspielhaus am Gendarmenmarkt. Ein Jahr zuvor heiratete sie den legendären Heinrich George. Als er 1937 Intendant des Berliner Schiller-Theaters wurde, folgte sie ihm in dieses Ensemble.
Im Schatten ihres genialen Ehemanns

Ein Film, in dem Berta Drews mitspielte, trug den Titel „Der große Schatten“ – ein treffender Titel, denn auch in ihrem Leben stand sie lange im Schatten ihres berühmten Ehemanns. Ihr Sohn Götz George sagte später in einem Interview, dass seine Mutter sich ganz dem Theater widmen wollte, doch sein Vater war dagegen und machte ihr stets Vorwürfe, dass ihre Hauptaufgabe die Erziehung der Kinder sei. Doch Berta gab nicht auf. Über ihren Mann lernte sie bedeutende Filmschaffende kennen und erhielt Angebote für Filmrollen. So begann die zweite Phase ihrer erstaunlichen Karriere.
Ihr Filmdebüt gab sie 1933 in „Schlepper M 17“, in dem sie die Ehefrau des Fahrers Henner Claassen spielte – dargestellt von Heinrich George. Die beiden harmonierten so gut, dass sie bald darauf in „Hitlerjunge Quex“ als Eltern von Heini Völker zu sehen waren. Dieser Film wurde später verboten und brachte der Familie nach dem Zweiten Weltkrieg Schwierigkeiten ein. Doch damals genoss Berta Drews ihre Rollen in Theater und Film. 1936 spielte sie eine Tänzerin in „Der Kaiser von Kalifornien“, 1938 die Frau eines Soldaten in „Urlaub auf Ehrenwort“ und ein Jahr später die Ehefrau eines Zollbeamten in „Alarm auf Station III“.
Rückkehr zum Theater nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach der Niederlage des Nationalsozialismus wurde Heinrich George von der sowjetischen Polizei verhaftet und starb 1946 im NKWD-Lager Sachsenhausen. Berta hatte Glück und konnte entkommen. 1948 kehrte sie zum Theater zurück, und damit begann die dritte Phase ihrer Karriere, die sie in Interviews als ihr „drittes Leben“ bezeichnete. Sie spielte zunächst am Berliner Hebbel-Theater und wechselte in den frühen 1950er Jahren zum Schiller-Theater. Dort arbeitete sie mit herausragenden Regisseuren wie Boleslaw Barlog, Hans Lietzau, Boy Gobert und Hans Neuenfels zusammen. Aufgrund ihrer zunehmenden Körperfülle erhielt sie häufig Rollen als Mütter und stattliche Damen.
Solche Rollen spielte sie auch im Film. Sie verkörperte 1949 eine Erzieherin in „Mädchen hinter Gittern“, Frau Brennecke in „Suchkind 312“ (1950) und eine strenge Unternehmergattin in „Es geschah am hellichten Tag“. Große Popularität erlangte sie als Frau Pautert in „Anastasia: Die letzte Zarentochter“. Ihre letzte Kinorolle war 1979 als Großmutter Anna in „Die Blechtrommel“.
Der Sprung ins Fernsehen

Mit der wachsenden Bedeutung des Fernsehens trat Berta Drews in zahlreichen TV-Produktionen auf. Sie spielte die Mutter Wolfen in „Der Biberpelz“, die Mutter Hanson in „Unvergessen“ und die Mutter eines Spions in „Spion unter dem Baum“. In diesem Zweiteiler spielte sie mit ihrem Sohn Götz George. Zudem war sie in Hörspielen aktiv, ihre Stimme war vielen Berlinern bekannt.
In den 1980er Jahren widmete sich Berta ganz dem Theater und veröffentlichte 1986 ihre Autobiografie „Wohin des Wegs? Erinnerungen aus einem erfüllten Schauspielerleben“. Ihre umfangreiche Korrespondenz mit Regisseuren und Theaterpersönlichkeiten wird heute in der Bibliothek der Berliner Akademie der Künste archiviert.
Abschied und Erbe

Die große Berliner Schauspielerin starb im April 1987 im Alter von 85 Jahren nach langer Krankheit. Ihrem Wunsch entsprechend wurde ihre Asche ins Meer gestreut, ihr Name aber auf dem Grabstein ihres Mannes verewigt. 1994 wurde Heinrich George feierlich auf dem Friedhof Zehlendorf umgebettet. Berta Drews bleibt als vielseitige Künstlerin in Erinnerung, die sich durch ihre Emotionalität und Ausdrucksstärke auszeichnete.