Ein Weltstar aus Deutschland

Armin Mueller-Stahl gehört zu den bedeutendsten deutschen Schauspielern, die internationale Anerkennung erlangten. Er ist Preisträger zahlreicher Filmpreise und wurde für einen Oscar nominiert. In jungen Jahren spielte er im legendären Berliner Ensemble und war 25 Jahre lang am Volksbühne-Theater tätig. Erst mit 60 Jahren begann er seine Hollywood-Karriere – und doch gelang ihm der internationale Durchbruch mit Bravour. Mueller-Stahl war der einzige prominente DDR-Schauspieler, der mutig den Bruch mit der DDR vollzog und in den Westen wechselte – eine Entscheidung, die damals für großes Aufsehen sorgte. Mehr auf berlinski.net.

Ein zweites Leben

Armin Mueller-Stahl wurde im Dezember 1930 in Tilsit (heute Kaliningrader Gebiet) geboren. Seine Mutter stammte aus Sankt Petersburg, sein Großvater konnte die Familie noch vor dem Ersten Weltkrieg aus Russland retten. Im Mai 1945 wäre Armin beinahe von einem sowjetischen Soldaten erschossen worden – doch er überlebte, während sein Vater, ein einfacher Bankangestellter, erschossen wurde. Dieses Trauma begleitete ihn ein Leben lang. Er fühlte sich verpflichtet, das Andenken seines Vaters zu ehren und etwas Bedeutendes zu schaffen.

Anfangs wollte er Musiker werden und spielte leidenschaftlich Violine. In Berlin studierte er am Konservatorium, erkannte jedoch währenddessen seine wahre Berufung: die Schauspielerei. Den entscheidenden Impuls gab ihm eine Theateraufführung von Hamlet, die ihn tief beeindruckte.

Von der Bühne auf die Leinwand

Sein Weg war nicht einfach. Nachdem er von einer Schauspielschule abgewiesen wurde, nahm er weiterhin privaten Schauspielunterricht und erhielt 1952 sein erstes Engagement im Berliner Ensemble. Zwei Jahre später wechselte er an die Volksbühne, wo er bis 1979 auftrat. Er brillierte als Mercutio in Romeo und Julia, als Bruder Martin in Die Heilige Johanna und als Wurm in Kabale und Liebe.

Sein Filmdebüt gab er 1956 mit Geheime Ehen. Der vierteilige Thriller Flucht aus der Hölle machte ihn in der DDR berühmt. Bald war er einer der bekanntesten Schauspieler des Landes, spielte über 60 Hauptrollen und wurde fünf Jahre in Folge zum beliebtesten Schauspieler der DDR gewählt.

Internationaler Durchbruch

Mueller-Stahl wurde als der blauäugige Gentleman bekannt. Seine Rolle in Fünf Patronenhülsen bewunderten Persönlichkeiten wie Fidel Castro und Che Guevara. In Jakob der Lügner (1974), nominiert für den Oscar als bester fremdsprachiger Film, überzeugte er die internationale Kritik. Trotz wachsender Erfolge fühlte er sich in der DDR zunehmend eingeengt.

Sein Wunsch nach künstlerischer Freiheit wurde durch eine politische Entscheidung beschleunigt: 1976 unterschrieb er eine Petition gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann. Die Konsequenz: Er erhielt keine Rollen mehr. Schließlich entschied er sich, in den Westen zu gehen – eine riskante, aber wegweisende Entscheidung.

Wie er Hollywood eroberte

In West-Berlin wurde Mueller-Stahl mit offenen Armen empfangen. Er arbeitete mit renommierten Regisseuren wie Rainer Werner Fassbinder, Andrzej Wajda und István Szabó. Ein großer Erfolg war seine Rolle in der Kultserie Die Schwarzwaldklinik.

1989 folgte der Sprung nach Hollywood. In Music Box spielte er einen ungarischen Einwanderer, der als ehemaliger NS-Kriegsverbrecher angeklagt wird – eine herausfordernde, aber meisterhaft gespielte Rolle. Es folgten Filme wie Avalon und Shine – letzterer brachte ihm 1997 eine Oscar-Nominierung als bester Nebendarsteller ein.

Ein einzigartiges Regieprojekt

1996 überraschte Mueller-Stahl mit seinem Regiedebüt Gespräch mit dem Biest, in dem er einen 103-jährigen Hitler spielte. Das Konzept des Films faszinierte Historiker weltweit. Der Schauspieler erklärte, er habe Hitler bewusst auferstehen lassen, um ihn endgültig zu entlarven und zu verurteilen.

Große Rollen bis ins hohe Alter

Mueller-Stahl blieb auch nach Hollywood seiner künstlerischen Linie treu. 2011 spielte er Thomas Mann in der gefeierten Serie Die Manns – Ein Jahrhundertroman, wofür er den Grimme-Preis erhielt. Weitere Erfolge waren Buddenbrooks und Knight of Cups. Er selbst sagte, seine besten Rollen habe er erst nach dem 60. Lebensjahr gespielt.

Die Wendezeit betrachtete er mit gemischten Gefühlen. Nach der Wiedervereinigung zog er es vor, nicht nach Ost-Berlin zurückzukehren, nachdem er in den Stasi-Akten gelesen hatte, wer ihn jahrelang bespitzelt hatte.

Vielseitiges Talent

Im 21. Jahrhundert wurde eine weitere Facette seines Talents bekannt: Er schrieb Gedichte und malte. 2018 veröffentlichte er den Lyrikband Der Wiener Vogel kann fliegen, 2022 stellte er seine Gemälde unter dem Titel Jüdische Freunde: Schicksale, Weggefährten, Porträts aus.

Anlässlich seines 80. Geburtstags beschenkte er sich und seine Fans mit dem Jazz-Album Es gibt Tage…, mit Liedern aus seiner DDR-Zeit.

Heute lebt Mueller-Stahl zurückgezogen an der Lübecker Bucht oder in Los Angeles. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter drei Bundesverdienstorden, das Große Verdienstkreuz mit Stern, die Ehrenbürgerschaft Schleswig-Holsteins sowie den Goldenen und Silbernen Bären der Berlinale. 2024 wurde er mit dem Preis des Prinzen von Preußen für sein Lebenswerk geehrt.

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