Ein Leben zwischen Genie und Wahnsinn

Klaus Kinski war eine der umstrittensten Persönlichkeiten der Filmwelt. Seine Töchter blieben seiner Beerdigung fern – mit gutem Grund. Denn ihr Vater war nicht nur auf der Leinwand ein Monster. Mehr auf berlinski.net.

Eine zerrüttete Kindheit

1926 wurde Klaus Kinski in Polen als Sohn eines Apothekers geboren. Mit vier Jahren zog seine Familie nach Berlin, wo er den Großteil seines Lebens verbrachte.

Schon als Kind zeigte sich sein schwieriger Charakter. Er wurde von der Schule verwiesen, nachdem er über sechs Monate den Unterricht geschwänzt hatte. Später besuchte er ein Gymnasium, fiel jedoch zweimal durch. Laut seinen eigenen Erinnerungen verdiente er sich als Schuhputzer, Laufbursche und Reinigungskraft in einem Leichenschauhaus ein kleines Einkommen.

Bereits in jungen Jahren entwickelten sich in Kinski verstörende Neigungen, die sein späteres Leben prägen sollten.

1943 wurde er mit 18 Jahren zur Wehrmacht eingezogen, doch er hatte Glück – bald geriet er in britische Kriegsgefangenschaft, wo er bis zum Kriegsende blieb. Danach kehrte er nach Berlin zurück.

Skandalträchtiger Aufstieg

Berliner Theater nahmen den ungestümen jungen Mann trotz fehlendem Schulabschluss und Schauspielausbildung in ihre Ensembles auf. Besonders erfolgreich spielte er unter Boleslaw Barlog.

Doch Kinski war schwer im Umgang. Seine unkontrollierten Wutausbrüche und seine aggressive Art machten ihn zum Problemfall. Mit Barlog zerstritt er sich endgültig. Höflichkeit oder Diplomatie lagen ihm fern – er lebte nach eigenen Regeln.

Seine Filmkarriere begann Ende der 1940er-Jahre mit Nebenrollen in unbedeutenden Produktionen. Der Lohn war gut, also nahm er jedes Angebot an. In den 1960er-Jahren folgten internationale Auftritte in Thrillern, Horrorfilmen und erotischen Produktionen zweifelhafter Qualität. Kinski gab zu, dass ihm die Filme gleichgültig waren – Hauptsache, das Honorar stimmte. Später bezeichnete er seine frühen Werke als „abscheulich“ und nannte Kino „Schwachsinn für Idioten“.

Sein jähzorniger Charakter machte ihn berüchtigt. Doch Regisseure wussten: Skandale um Kinski sorgten für Aufmerksamkeit und garantierten kommerziellen Erfolg.

Ein Leben für die Bösewichte

Kinski spielte meist Wahnsinnige und Verbrecher. Berühmt wurde er durch Aguirre, der Zorn Gottes (1972), in dem er einen wahnsinnigen Konquistador verkörperte – eine Paraderolle. Der Regisseur Werner Herzog drehte in den nächsten 15 Jahren mehrere Kultfilme mit ihm, darunter Nosferatu – Phantom der Nacht.

Kinski faszinierte als Mörder, Psychopath oder Abenteurer. Doch seine Selbstüberschätzung ließ ihn glauben, er sei auch ein genialer Regisseur. Während der Dreharbeiten zu Cobra Verde zerstritt er sich endgültig mit Herzog. Seine Regiearbeit Paganini wurde beim Filmfestival in Cannes als „pornografisch“ abgelehnt – zu Recht, denn der Film war voll expliziter Szenen. Kinski ließ hier seinen dunkelsten Fantasien freien Lauf. Paganini blieb sein einziger Film, der erst Jahre nach seinem Tod veröffentlicht wurde – und floppte.

1999 drehte Werner Herzog den Dokumentarfilm Mein liebster Feind, in dem er die schwierige Zusammenarbeit mit Kinski schilderte. Es war eine Hassliebe zwischen Genie und Wahnsinn.

Die dunkle Wahrheit

1991 starb Kinski unerwartet an einem Herzinfarkt. Manche meinten, ein solch friedliches Ende sei zu milde für jemanden wie ihn. Seine Asche wurde über dem Pazifik verstreut – seine Töchter atmeten auf.

Seine Kinder traten in seine Fußstapfen, doch ohne Stolz auf ihren Vater. Am bekanntesten wurde Nastassja Kinski. Sie bewunderte Kinskis Talent nicht – für sie war er ein Egomane, besessen von sich selbst.

Doch das Schlimmste kam erst nach seinem Tod ans Licht. Seine älteste Tochter Pola offenbarte 2013 in einem Interview mit Stern, dass Kinski sie 14 Jahre lang missbraucht hatte – von ihrem fünften bis zu ihrem neunzehnten Lebensjahr. Die Enthüllung schockierte die Öffentlichkeit.

„Wenn ich höre, dass er als ‚großer Schauspieler‘ bezeichnet wird, möchte ich, dass jeder die Wahrheit über ihn erfährt. Ich bin es leid“, sagte Pola Kinski. Ihr Vater nahm sie überall mit hin, ignorierte ihre Einwände, missbrauchte sie systematisch und versuchte, sie mit Geschenken zu manipulieren. Erst als Erwachsene konnte sie sich befreien und begann eine eigene Schauspielkarriere. Ihre Halbschwester Nastassja bezeichnete Pola später als „wahre Heldin“.

1975 veröffentlichte Kinski seine Memoiren Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund – ein skandalöses Buch voller Lügen, das seine Familie empörte. 1987 legte er mit Ich brauche Liebe nach – eine noch abstoßendere Autobiografie, in der er Fantasien über seine Schwester und Tochter Nastassja beschrieb. Nastassja überlegte, ihren Vater zu verklagen, doch nach seinem Tod verzichtete sie darauf.

Als Kinski beigesetzt wurde, war nur sein Sohn Nikolai anwesend. Was er empfand, bleibt unbekannt.

Doch in Paganini gibt es Szenen, die düstere Andeutungen auf Kinskis krankhafte Neigungen machen – und darin spielt sein damals noch kleiner Sohn Nikolai mit.

Klaus Kinski wird in der Filmgeschichte als Darsteller von Wahnsinnigen, Despoten und Abenteurern in Erinnerung bleiben. Doch sein wahres Erbe ist düster. Sein zerstörerischer Charakter und seine abscheulichen Taten haben alles, was er als Schauspieler erreichte, für viele zunichtegemacht.

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