Charlotte von Mahlsdorf und ihre Möbel im wilhelminischen Stil

Charlotte von Mahlsdorf, geboren als Lothar Berfelde in der Berliner Vorstadt Mahlsdorf im Jahr 1928, war eine faszinierende und außergewöhnliche Persönlichkeit, eine mutige Frau – genauer gesagt, eine Transfrau – und eine Zeitzeugin des turbulenten Lebens während der Herrschaft der Nationalsozialisten. Charlotte wuchs in dieser Zeit auf und lebte später in der Deutschen Demokratischen Republik, die ebenso wenig sorglos war. Solche Zeugen der Berliner Geschichte sind heute rar geworden. Mehr über Charlotte von Mahlsdorf und ihr bewegtes Leben erfahren Sie auf berlinski.net.

Eine Kindheit ohne Unbeschwertheit

Charlotte wuchs im nationalsozialistischen Deutschland unter der Herrschaft eines tyrannischen und überzeugten Nationalsozialisten auf, der sie zu einem „echten“ Soldaten erziehen wollte. Später erlebte sie die Bürokratie der SED, die versuchte, ihr privates Museum im wilhelminischen Stil zu konfiszieren und sie selbst als „unerwünschte Person“ in Faltenrock und Schürze zu diffamieren. In ihrer Biografie „Ich bin meine eigene Frau“ erzählt Charlotte, wie sie als schwuler Transvestit in Deutschland überlebte und lebte – eine Minderheit unter Minderheiten.

Laut dem Rezensenten Martin Z. Schröder sind die von Charlotte von Mahlsdorf kurz vor ihrem Tod aufgezeichneten Erzählungen kein reines Zeitdokument – ihr Leben ist dafür zu einzigartig. Allerdings sei das Zuhören manchmal anstrengend, da ihre Stimme nasal und zart sei und sie wenig geübt im Erzählen war.

Möbel im wilhelminischen Stil

Schröder bemerkt, dass Charlotte oft über Möbel im wilhelminischen Stil sprach, die sie ihr ganzes Leben lang sammelte. Trotz dieser Wiederholungen ist der Rezensent fasziniert von der fast somnambulen Beharrlichkeit, mit der Charlotte ihr Leben in der DDR und unter den Nationalsozialisten führte. Die Wirkung ihrer Lebensgeschichte könne man mit einem einzigen Wort beschreiben: Harmlosigkeit.

Am Ende seiner Rezension fragt sich Schröder, welches Potenzial Charlotte von Mahlsdorf hätte entfalten können, wenn sie sich stärker auf ihre Selbstverwirklichung konzentriert hätte, anstatt die wilhelminischen Möbel in den Mittelpunkt ihres Lebens zu stellen.

Das Lebenswerk einer außergewöhnlichen Frau

Nur zwei Tage vor ihrem Tod konnte Charlotte von Mahlsdorf, deren Geburtsname Lothar Berfelde war, ihre Autobiografie in einem Berliner Tonstudio aufnehmen.

Die Rezensentin Eva Berendt zeigt sich von diesem Audiodokument beeindruckt. Besonders faszinierte sie die Stimme von Charlotte, die alte preußische Tugenden wie aufrechte Haltung und klare Artikulation ausstrahlte. Berendt beschreibt, dass kein Laut, keine Silbe und kein Satzzeichen ausgelassen wurden, auch wenn der Stil für manche Zuhörer zu streng wirken könnte. Dieser Kontrast zur bewegenden Biografie Charlottes, die ihren gewalttätigen Vater tötete, ins Gefängnis kam, mit 45 Jahren entlassen wurde und in der DDR ihr transvestitisches Leben führte, verstärkt die Wirkung ihrer Erzählung.

Charlotte widmete sich ihrem Lebensprojekt, dem Museum im wilhelminischen Stil. Berendt betont, dass Charlottes Stimme einen Hauch von Wahnsinn erahnen lässt, wenn sie von ihren waghalsigen Aktionen erzählt, Möbel zu retten, während Bomben auf die Stadt fielen. Charlotte war nie um persönlichen Besitz besorgt, sondern stets darauf bedacht, die Möbel für kommende Generationen zu bewahren. Dank dieses Audiodokuments hat Charlotte von Mahlsdorf ihr Ziel erreicht: die Erinnerung an ihre Geschichte lebendig zu halten und ein Vermächtnis zu hinterlassen.

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