Bürgermeister Wowereit und seine Berliner Träume

Klaus Wowereit ist ein bekannter und erfahrener Politiker, Bürgermeister von Berlin und… ein offenes Schwules. Im Jahr 2001 erschütterte eine Sensation Berlin, als Wowereit auf einer Wahlveranstaltung öffentlich seine nicht-heterosexuelle Orientierung bekanntgab. Doch der Politiker ist nicht nur wegen seines öffentlichen Coming-outs bekannt. Mehr dazu auf berlinski.net.

Der junge Politiker

Klaus Wowereit wurde 1953 in Berlin geboren. Seine Familie war groß und nicht wohlhabend, daher war es schwer vorstellbar, dass er eine glänzende Karriere vor sich hatte. Doch Klaus besaß Charisma und einen scharfsinnigen Verstand. Politisch interessierte er sich schon im Alter von 19 Jahren, einer Zeit, die von Maximalismus und Ambition geprägt ist. In dieser Zeit trat er der Sozialdemokratischen Partei bei. Der junge Wowereit war der erste in seiner Familie, der eine höhere Ausbildung erlangte. Als er als Jurist seinen Abschluss machte, schienen seine Ziele nicht mehr unerreichbar. Zehn Jahre arbeitete Klaus in der Berliner Verwaltung. Seine Karriere in der Partei entwickelte sich schnell. Schließlich nominierten ihn seine Parteikollegen als Kandidaten für das Amt des Bürgermeisters von Berlin. Weniger als ein halbes Jahr vor den Wahlen hatte Wowereit eine enorme Popularität erlangt. Seine Partei lag auf den Spitzenplätzen.

Aufsehen, Loveparade und etwas Politik

Einige Politologen sind der Meinung, dass die Popularität des Kandidaten auch durch seine mutige öffentliche Handlung begünstigt wurde. Bei einem Parteitag hatte Klaus offen über seine nicht-heterosexuelle sexuelle Orientierung gesprochen. Wahrscheinlich wären die persönlichen Vorlieben des Bürgermeisters nicht so oft diskutiert worden, wenn er dies nicht mit solch einer Feierlichkeit bekannt gegeben hätte.

Doch zu Beginn seiner politischen Karriere hielt Wowereit seine Beziehung zu Jörn Kubitzki geheim.

Nach seinem Wahlsieg trat Klaus zusammen mit Jörn vor die Wähler. Sie umarmten sich. Kubitzki starb 2020 an den Folgen des Coronavirus, was Klaus stark erschütterte.

… Es war gerade unter diesem Bürgermeister, dass Berlin den Ruf einer Stadt erhielt, die tolerante Haltung gegenüber Menschen mit nicht-heterosexueller Orientierung zeigte und die Jugendkultur unterstützte. Der Zustrom von Touristen nahm erheblich zu.

Als Wowereit jedoch das Amt des Bürgermeisters übernahm, war Berlin fast bankrott. Es fehlten katastrophal viele Arbeitsplätze. Ein großer Teil der Stadtbevölkerung war auf Arbeitslosenhilfe angewiesen.

Berlin befand sich unter der Herrschaft der Christlich-Demokraten. In ihren Reihen wurden groß angelegte finanzielle Manipulationen begangen. Der städtische Haushalt war in einem kritischen Zustand.

Trotz der Risiken ging Wowereit gegen diese korrupte Koalition vor. Er entließ zehntausend Menschen, die in der Verwaltung ineffiziente Positionen innehatten. Dies wurde getan, um die Schulden Berlins erheblich zu verringern. Weitere Reformen betrafen kulturelle Einrichtungen — Wowereit vereinigte die Staatsoper und das Ballett. Er kürzte auch die Ausgaben für Bibliotheken und schloss die meisten Schwimmbäder der Stadt.

Im Jahr 2003 sagte der umstrittene Politiker in einem Interview mit einem renommierten Magazin:

„Berlin ist eine arme Stadt, aber sie ist sexy!“

Klaus hat ohne Zweifel einen ausgeprägten ästhetischen Geschmack. Genau das trieb den Bürgermeister zu weiteren Veränderungen. Wowereit träumte davon, dass Berlin mit seinem Hauptstadtcharme nicht schlechter strahlen würde als London, Budapest, Prag oder New York.

Wowereit wurde Initiator vieler kultureller Veranstaltungen. Unter seiner Unterstützung fand die Loveparade statt, sowie Modefestivals und Feiertage. Es war auch kein Zufall, dass in der deutschen Hauptstadt so bekannte Filme wie „Die Bourne Identität“ und „Mission: Impossible“ gedreht wurden – dafür hatte Wowereit mit den Produzenten der Filme verhandelt.

Klaus Wowereit wurde als „der glamouröse Junge“ bezeichnet, doch öfter auch als „der schlaue Fuchs“.

Das Ende der Popularität

Doch wenn populistische Methoden von Volksvertretern ermüden, beginnt das Interesse der Massen zu sinken.

Wowereit war von 2001 bis 2014 Bürgermeister der deutschen Hauptstadt. Am beliebtesten war er im Jahr 2006. Doch nach und nach änderte sich alles. Mehr als 50% der Berliner begannen negativ auf die Entscheidungen ihres Bürgermeisters zu reagieren. Dieser Rückgang an Popularität begann 2009. Nach 2011 wurde er als einer der unbeliebtesten Politiker Berlins bezeichnet. Nach mehreren ineffektiven Projekten verlor Wowereit die nächsten Parlamentswahlen gegen einen Gegner aus der Christlich-Demokratischen Union. Damit verlor Klaus seinen Platz im Stadtparlament.

Am häufigsten wurde Klaus Wowereit für das totale Chaos im Bereich des öffentlichen Verkehrs zwischen 2009 und 2010 kritisiert. Auch im Winter 2010 verwandelte sich Berlin in eine riesige Eisbahn. Es war fast unmöglich, sich in der Stadt zu bewegen. Die normalen Berliner mussten selbst gegen das Eis kämpfen. Es begann ein Salzmangel. Viele Menschen wurden verletzt, Notaufnahmen arbeiteten rund um die Uhr. Die Stadtverwaltung wurde für ihre Untätigkeit verantwortlich gemacht.

Die Karriere des Politikers, die so vielversprechend begonnen hatte, endete im Fiasko. Wowereit initiierte mehrfach stadtweite Referenden, aber er verlor oft. Ein Beispiel war sein Plan, die Landebahn des alten Flughafens Tempelhof zu bebauen. Zu dieser Zeit war das Gelände nicht mehr in Betrieb. Klaus wollte dort Wohnungen und eine Bibliothek bauen. Doch die weitere Zukunft des Flughafens lag bereits in den Händen anderer. Im Jahr 2009 wurde das Gebiet zu einem kulturellen Standort unter dem Namen Tempelhof Feld, auf dem eine Parkzone eingerichtet wurde.

Im Jahr 2014 trat Klaus Wowereit zurück. Sein Nachfolger wurde der ebenfalls sozialdemokratische Michael Müller, der von der Mehrheit der Abgeordneten gewählt wurde.

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