Das Bode-Museum in Berlin ist eine der wichtigsten Kultureinrichtungen Deutschlands, die Schätze alter Kunst aus einem breiten Spektrum historischer Epochen und Kulturen beherbergt. Eine der bedeutendsten Ausstellungen des Museums ist die Exposition alter Kunst, die nicht nur prachtige Artefakte zeigt, sondern auch von der Geschichte des Museums selbst, seinen Sammlungen und dem kulturellen Kontext erzählt, in dem sie entstanden sind. Die Ausstellung Klartext: Zur Geschichte des Bode-Museums, die im Jahr 2020 stattfand, wurde zu einer wichtigen Etappe im Verständnis nicht nur der Kunst, sondern auch der Funktionsweise des Museums selbst. Mehr dazu auf berlinski.
Einzigartige Architektur und die Anfänge der Geschichte
Das Bode-Museum wurde 1904 gegründet und wurde Teil der berühmten Museumsinsel, auf der sich auch andere bedeutende Museen wie das Pergamonmuseum und das Alte Museum befinden. Jedoch wurde gerade das Bode-Museum zum Zentrum für eine der größten Sammlungen alter Kunst in Deutschland, die Münzen, Medaillen, Skulpturen und byzantinische Kunst umfasst. Die Architektur des Museums, die von dem berühmten Spezialisten Ernst von Ihne entworfen wurde, ist eines seiner Hauptmerkmale. Große Säle, riesige Fenster, außergewöhnliche Deckenfresken – all das schafft eine Atmosphäre der Erhabenheit und des Respekts vor dem kulturellen Erbe. Aber gerade die Ausstellung Klartext ermöglichte es den Besuchern, besser zu verstehen, wie sich dieses Gebäude entwickelte, wie es im Laufe der Jahrhunderte rekonstruiert und erhalten wurde. Die Restaurierung und Pflege des historischen Erbes wurden zu den Hauptarbeitsbereichen des Museums, was seine wichtige Rolle bei der Bewahrung des kulturellen Gedächtnisses bestätigt. Die Einzigartigkeit des Architekturkomplexes des Bode-Museums liegt auch in der Verbindung von klassischen und modernen Architekturelementen, die es ermöglicht, eine Atmosphäre zu spüren, die die in seinen Sammlungen vertretenen Epochen und Stile harmonisch vereint. Die Säle des Museums unterstreichen nicht nur hervorragend den künstlerischen Wert der Exponate, sondern sind auch zu einer Plattform für große kulturelle Veranstaltungen geworden, die Geschichte und Gegenwart verbinden.

Klartext als Forschungsobjekt
Die Ausstellung Klartext: Zur Geschichte des Bode-Museums wurde als Sonderausstellung organisiert, die erstmals das Bode-Museum selbst in den Mittelpunkt stellte. Sie wurde am 18. November 2020 eröffnet und dauerte bis zum 18. November 2021. Obwohl der physische Besuch der Ausstellung aufgrund der COVID-19-Pandemie eingeschränkt war, erstellten die Organisatoren einen virtuellen 360-Grad-Rundgang, der online verfügbar ist. Dieses digitale Format ermöglicht es den Nutzern, die Geschichte des Museums zu erkunden, indem sie über 120 Objekte, Archivfotos und Dokumente betrachten.
Erstmals wurden in einem Raum Kunstobjekte und Archivdokumente vereint – Rekonstruktionspläne, Korrespondenz der Gründer, Fotografien aus der Zeit der Eröffnung im Jahr 1904 sowie Materialien im Zusammenhang mit der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Ein Schlüsselelement der Ausstellung waren die Abschnitte, die der Rolle Wilhelm von Bodes bei der Gestaltung des Museumskonzepts als thematisch geschlossene Institution gewidmet waren. Dokumente mit Auszügen aus seinen Veröffentlichungen und Reden illustrierten anschaulich, wie sich die Ansätze zur Ausstellungspraxis änderten: von einer rein chronologischen Darstellung hin zur Systematisierung nach stilistischen, nationalen und funktionalen Kriterien. Dank dieser Ausstellung erhielten die Besucher die Möglichkeit, nicht nur die präsentierten Kunstwerke, sondern auch die Institution Museum selbst als dynamische Einheit des kulturellen Gedächtnisses tiefer zu verstehen. Zum Beispiel zeigte einer der Abschnitte von Klartext, wie das Museum nach der Wiedervereinigung Deutschlands einen Teil der verlorenen Exponate zurückerhielt, die jahrzehntelang als verloren oder in anderen Sammlungen verstreut galten.

Darüber hinaus bezieht das Bode-Museum die Öffentlichkeit aktiv in den kulturellen Prozess ein. Jährlich werden hier über 200 Bildungsveranstaltungen realisiert – von thematischen Führungen bis hin zu interaktiven Vorlesungen, die sich an Schüler, Studenten und Forscher richten. Im Rahmen spezieller Projekte haben Kinder die Möglichkeit, mit Kopien historischer Artefakte zu arbeiten und dabei Techniken der Metall-, Wachs- oder Holzbearbeitung zu erlernen. Dies vertieft nicht nur das Wissen über alte Kunst, sondern aktualisiert auch die Frage nach ihrer Bedeutung in der modernen Gesellschaft.
Die Sammlungen des Museums
Das Bode-Museum bewahrt mehrere äußerst wichtige Sammlungen auf, insbesondere die Sammlung von Münzen und Medaillen, die eine der größten der Welt ist. Die Ausstellung alter Kunst unterstreicht die Rolle des Museums bei der Erhaltung und Erforschung dieser Artefakte, die nicht nur wichtige historische Dokumente, sondern auch Teil des Kunsterbes verschiedener Epochen sind.

Die Münzsammlung des Museums ist eine unschätzbare Quelle für Historiker und Numismatiker. Hier werden Münzen aus verschiedenen Epochen aufbewahrt – von der Antike bis zur Neuzeit. Die Ausstellung bietet die einzigartige Gelegenheit, alte Münzen zu sehen, die einst Teil des Wirtschaftssystems antiker Reiche waren, wie des Römischen Reiches oder der byzantinischen Besitzungen. Die Ausstellung bietet den Besuchern auch die Möglichkeit, Münzen zu sehen, die Veränderungen in den politischen und sozialen Strukturen verschiedener Perioden widerspiegeln. Unter den Exponaten stechen Münzen aus der Zeit Friedrichs II. des Großen hervor, die im 18. Jahrhundert in preußischen Münzstätten geprägt wurden. Sie beeindrucken nicht nur durch ihre hohe Prägequalität, sondern auch durch ihre Symbolik: Auf der Vorderseite (Avers) war oft das Porträt des Königs abgebildet, und auf der Rückseite (Revers) – Wappen, Militärtrophäen oder lateinische Devisen, die die politischen Ambitionen Preußens als neue europäische Macht widerspiegelten.
Zur Exposition gehörten auch Gedenkmedaillen, die hauptsächlich im 18.–19. Jahrhundert aus Bronze, Silber und seltener Gold gefertigt wurden. Sie wurden geschaffen, um wichtige historische Ereignisse zu würdigen – insbesondere die Krönung preußischer Monarchen, Siege in den Napoleonischen Kriegen, die Eröffnung wissenschaftlicher Institute oder Jubiläen herausragender Kulturschaffender. Einige Medaillen enthalten detaillierte Darstellungen von Baudenkmälern, allegorische Figuren oder lateinische Inschriften, die den Kontext des Ereignisses enthüllen. Sie wurden nicht nur zu Beispielen hoher Graveurskunst, sondern auch zu historischen Dokumenten, die den Zeitgeist und das offizielle Narrativ der jeweiligen Epoche vermitteln.
Byzantinische Kunst und ihr Einfluss auf die Gegenwart
Einer der wertvollsten Bereiche der Dauerausstellung des Bode-Museums ist die Ausstellung byzantinischer Kunst, die den Zeitraum vom 14. bis zum 15. Jahrhundert umfasst. Sie beinhaltet Ikonen, Mosaike, Elfenbeinschnitzereien, Fragmente von Architekturdekor und Kirchengerät, das hauptsächlich aus den Gebieten des ehemaligen Byzantinischen Reiches stammt – insbesondere aus Konstantinopel, Thessaloniki und Kappadokien.

Diese Ausstellung demonstriert die Evolution der Ikonographie, stilistische Veränderungen in der byzantinischen Kunst und die Verbindung zu den christlichen Traditionen des Ostens. Besondere Aufmerksamkeit verdienen Ikonen des 11.–13. Jahrhunderts, die in Tempera auf Holz unter Verwendung von Vergoldung gemalt wurden. Die Ikone der Gottesmutter Hodegetria, eine der Schlüsselfiguren der Sammlung, repräsentiert das klassische kanonisierte Bild, das zum Vorbild für zukünftige Generationen von Ikonenmalern nicht nur in Byzanz, sondern in der gesamten orthodoxen Welt wurde. Solche Werke zeugen nicht nur von einem hohen Niveau der spirituellen Kunst, sondern illustrieren auch politische und religiöse Prozesse – den Kampf gegen den Ikonoklasmus (Bildersturm), Veränderungen in der Kirchenordnung, den Einfluss der Kreuzzüge auf die Herausbildung künstlerischer Traditionen. Gerade dank einer solchen Ausstellung lässt sich nachvollziehen, wie die Kultur von Byzanz mit dem Westen interagierte und wie diese Einflüsse in die mittelalterliche europäische Kunst übertragen wurden.
Moderne Forscher stellen fest, dass die byzantinische Ästhetik tiefe Spuren in der Entwicklung des gotischen Stils, der Frührenaissance und der orthodoxen Ikonenmalerei hinterlassen hat. Deshalb zeigt diese Ausstellung im Bode-Museum anschaulich, wie einzigartige Beispiele sakraler Kunst zu einem Instrument für das Verständnis der Transformationen des europäischen Kulturraums werden. Gleichzeitig bestätigt sie die Schlüsselrolle musealer Institutionen als Zentren nicht nur der Bewahrung, sondern auch des Verständnisses der komplexen historischen Verbindungen zwischen Ost und West.