Natürlich war Bertolt Brecht, der Ehemann und Lebenspartner von Helene Weigel, zweifellos eine Berliner Legende. Und in vielerlei Hinsicht wurde dank ihm auch seine Frau zu einer der bekanntesten Berlinerinnen – sowohl als Schauspielerin als auch als Leiterin des Berliner Ensembles. Mehr über das Leben und Wirken von Helene Weigel lesen Sie auf berlinski.net.
Der Wiener Anfang

Obwohl Weigel nicht in Berlin, sondern 1900 in Wien geboren wurde, trug sie maßgeblich zur künstlerischen Entwicklung ihres berühmten Partners bei und unterstützte ihn stets. Sie teilten ihr Schicksal – von frühen Erfolgen über Flucht und Exil bis zur Rückkehr nach Ost-Berlin.
Weigel ging in die Geschichte ein durch ihre Rolle als „Mutter Courage“ und prägte die deutsche Theaterszene noch Jahre nach Brechts Tod.
„Kleine Gestalt – großer Kämpfer“ – so beschrieb und stilisierte Bert Brecht die Schauspielerin und spätere Theaterleiterin Helene Weigel. „Gelletier“, wie er seine Frau zu Beginn ihrer Beziehung nannte. Weigel war Wienerin und stammte aus einer relativ wohlhabenden jüdischen Familie, die ihre frühe und entschlossene Entscheidung, Schauspielerin zu werden, zunächst nicht unterstützte. Doch ihr starkes und eigenwilliges Talent wurde schnell anerkannt. Nach dem Abschluss der Oberschule und einem Jahr Schauspielunterricht in Wien wurde sie 1919 in Frankfurt am Main engagiert, wo sie in der Rolle der Marie in Büchners „Woyzeck“ debütierte und „Menschen zum Aufhorchen brachte“.
Die Eroberung Berlins

1922 wurde Helene Weigel Schauspielerin am Berliner Staatstheater und spielte bis 1933 erfolgreich in diesem und anderen großen Bühnen der Hauptstadt wie dem Deutschen Theater und der Volksbühne. Sie trat immer häufiger unter der Regie und in den Stücken von Brecht auf, den sie 1923 kennenlernte und mit dem sie, wie sie sagte, „verbunden“ war. 1924 wurde ihr Sohn Stefan geboren, 1930 ihre Tochter Barbara, und dazwischen heiratete sie 1929 Brecht.
Weigel kümmerte sich finanziell so gut wie möglich um sich und ihre Kinder und lebte bis 1930 getrennt von Brecht, damit er in Ruhe arbeiten konnte. Als Schauspielerin führte die Zusammenarbeit zunächst zu einer Krise, doch 1932 feierte sie mit der Figur der Pelagea Wlassowa in Brechts „Mutter“ großen Erfolg. Ihr lakonisches und ausdrucksstarkes Spiel, bei dem sie alle Mittel sparsam und bedacht einsetzte, ließ Brecht und andere von ihr als beispielhafter Interpretin sprechen.
Emigration und Rückkehr

Die Machtergreifung Hitlers brachte ihr 15 schwere Jahre im Exil, die Helene Weigel in die Schweiz, nach Dänemark, Schweden, Finnland, über die Sowjetunion bis in die USA führte. Trotz all ihrer Bemühungen hatte sie kaum Gelegenheit, als Schauspielerin zu arbeiten. Es blieb nur das Stimmtraining und die Rolle als Hausfrau, Mutter und verlässliche Partnerin eines anspruchsvollen Künstlers, der alles andere als ein treuer Ehemann war. Weigel erzählte ihrer Tochter Barbara, dass ihr Vater sehr hingebungsvoll war, leider zu hingebungsvoll. Dennoch sah sie die Hauptaufgabe einer Frau darin, die Familie trotz allem zusammenzuhalten.
Ihr Nachkriegsdebüt hatte Weigel mit 48 Jahren. Die Schauspielerin spielte Antigone in einer Aufführung im kleinen Theater in Chur in der Schweiz. Der Erfolg führte zu ihrer triumphalen Rückkehr nach Ost-Berlin als „Mutter Courage“ in Brechts Inszenierung am Deutschen Theater. Kurz darauf wurde das Paar im eigenen Berliner Ensemble aufgenommen. Brecht wurde künstlerischer Leiter, Weigel blieb es nach seinem Tod 1956 noch 15 Jahre lang bis zu ihrem Lebensende.
Ihre größten Rollen waren die „Mutter“ von Brecht, Wlassowa, Carrar und Fierling. Während erfolgreicher Tourneen machte sie das Berliner Ensemble und Brechts Stücke in ganz Europa bekannt.