In Berlin geht es nicht nur um Politik, Architektur oder Nachtleben. Es ist auch eine Stadt mit einem reichen Festivalkalender, in der das ganze Jahr über kulturelle Veranstaltungen stattfinden. Von der lauten Berlinale bis hin zu lokalen Initiativen in den Bezirken – jedes Festival in Berlin hat sein eigenes Ziel, sein eigenes Publikum und seinen eigenen, einzigartigen Stil. Hier finden Veranstaltungen statt, die soziale Themen aufgreifen, das Umweltbewusstsein fördern, unabhängige Kunst unterstützen und Gemeinschaften vereinen. Weiter auf berlinski.
Festivals als Raum für politische Meinungsäußerung
Berliner Filmfestivals haben sich längst nicht nur zu Orten für Filmpremieren, sondern auch zu Zentren des politischen Dialogs entwickelt. Das prominenteste unter ihnen ist die Berlinale. Ihr Programm wird stets von einem scharfen sozialen Kontext begleitet, doch in den letzten Jahren hat sich der Fokus auf aktuelle Konflikte und Menschenrechte verlagert. Bereits 2022 veröffentlichte die Berlinale vor dem Hintergrund der Proteste eine Solidaritätserklärung mit der Ukraine und dem Iran.
Darüber hinaus wurde bei der Berlinale 2025 der Dokumentarfilm Timestamp der ukrainischen Regisseurin Kateryna Gornostai in den Hauptwettbewerb ausgewählt – zum ersten Mal seit fast drei Jahrzehnten, was ein wichtiges politisches Signal war. Der Film zeigt das Leben von Schulkindern während des Krieges und erinnert die Zuschauer daran, dass der Konflikt andauert und die Zukunft raubt. Neben den Vorführungen finden im Rahmen der Berlinale auch Diskussionen und Panels unter Beteiligung von ukrainischen, iranischen und anderen Stimmen aus Konfliktzonen statt. Diese Veranstaltungen prägen das Format des „politischen Kinos“ – keine pro-forma-Positionierung, sondern eine klare Haltung gegen Aggression, für Menschenrechte, für die Freiheit.

Auch andere Berliner Festivals haben diesen Trend aufgegriffen. Zum Beispiel präsentiert das 2018 gegründete Human Rights Film Festival Berlin jährlich Dokumentarfilme über den Kampf gegen Unterdrückung, Diskriminierung und Kriegsverbrechen. In seinem Programm sind spezielle Vorführungen über die Ukraine zu sehen, insbesondere der Film When Lightning Flashes Over the Sea – Geschichten aus Odessa unter Kriegsbedingungen.
Klimathematik
Berlin ist als Kulturzentrum bekannt, in dem auf Filmfestivals aktiv über die Klimakrise gesprochen wird – nicht nur in alltäglichen Gesprächen, sondern durch Dokumentarfilme, Spielfilme und Diskussionen. Auf der Berlinale gibt es seit einigen Jahren das Programm 17 Goals, das im Rahmen der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung geschaffen wurde. Im Jahr 2020 wurden beispielsweise Filme über Umweltzerstörung, Verschmutzung, Energie und Klimawandel vorgestellt – mit dem Schwerpunkt auf der Diskussion mit dem Publikum.
Beim Human Rights Film Festival Berlin gibt es eines der Programme – Climate‑Friendly Energy Systems – in dem Dokumentararbeiten über erneuerbare Energiequellen, ökologisches Wassermanagement, Schutz der Biodiversität und andere Themen im Zusammenhang mit dem Klimawandel gezeigt werden. Dort werden auch Filme über indigene Gemeinschaften gezeigt, die gegen die Klimakolonialisierung kämpfen. Neben solchen Projekten organisieren verschiedene Unternehmen Workshops und Konferenzen. Zum Beispiel fanden während des HRFFB Climate Storytelling-Seminare statt, bei denen gemeinsam mit Wissenschaftlern und Aktivisten neue Methoden entwickelt wurden, um den Einwohnern Berlins ökologische Ideen zu vermitteln.
Insgesamt ist die Kunst auf Berliner Festivals nicht nur Unterhaltung, sondern auch eine Plattform zum Verständnis und zur Diskussion der klimatischen Herausforderungen. Dank Dokumentarfilmen, Podiumsdiskussionen und Bildungsveranstaltungen wird das Thema für ein breites Publikum zugänglich und gleichzeitig dringlich.

Die Stimme von Migranten und Flüchtlingen auf Festivals
Berliner Festivals beziehen zunehmend aktiver die Geschichten von Migranten und Flüchtlingen ein, um das Programm noch reichhaltiger zu gestalten. Dieser praktische Trend besteht nicht in symbolischen Gesten, sondern in der echten Integration ihrer Stimmen in Film und Kultur. Zum Beispiel wurde bei der diesjährigen Berlinale im Hauptwettbewerb der Film The Light von Regisseur Tom Tykwer vorgestellt. Es ist ein Drama über eine syrische Haushälterin, die nicht nur in der Familie auftaucht, sondern zur zentralen Figur des Films wird. Durch ihre Augen sieht der Zuschauer Verwüstung und Hoffnung. Sogar der Schauspieler Lars Eidinger merkt an, dass der Film zeigt, wie wertvoll Migranten für die Gesellschaft sein können. Sie streben nicht danach, den Einheimischen etwas „wegzunehmen“ – Arbeit, Ressourcen oder Wohnraum. Im Gegenteil, sie können Nutzen bringen: Wissen, Erfahrung, eine andere Sicht auf die Werte des Lebens.
In einem weiteren parallelen Programm, Panorama, wurde der Film Dreamers der Regisseurin Joy Haroro-Akpojotor vorgestellt. Es ist die Geschichte einer nigerianischen Migrantin, die in ein Haftzentrum in Großbritannien gerät. Der Film zeigt ihren Kampf nicht nur ums Überleben, sondern auch um das Recht, gehört zu werden, Liebe und Freiheit zu finden. Besonders hervorzuheben ist das Dokumentarkino. In der Premiere Khartoum (ebenfalls im Panorama-Programm) wird von fünf Einwohnern der sudanesischen Hauptstadt erzählt, die in der Realität des Bürgerkriegs leben. Die Autoren versuchen, dem europäischen Publikum zu vermitteln, dass die Ereignisse im Sudan nichts Fernes oder Fremdes sind, sondern Teil eines globalen Kontexts. Denn die gleichen Probleme – Krieg, Flucht, Verluste – haben oder erleben Menschen auch in Syrien und Afghanistan. Sogar deutsche Produzenten waren an der Entstehung dieses Films beteiligt. Dies unterstreicht, dass die europäischen Länder nicht abseitsstehen, denn der Film „verbindet Kontinente“ – sowohl durch seinen Inhalt als auch durch die gemeinsame Arbeit.

Auch im Rahmen der Berlinale Shorts erschien Ceasefire – ein dokumentarischer Kurzfilm über eine Frau, die Srebrenica überlebt hat. Dieser Film bringt uns zurück zum Thema der lokalen ethnischen Gewalt in Europa und zwingt uns, uns daran zu erinnern, dass der Schmerz der Migranten hier ist und nicht irgendwo weit in der Vergangenheit.
Festivals als Instrument der Unterstützung
Festivals in Berlin werden zunehmend nicht nur zu Orten der Unterhaltung, sondern auch zu Plattformen für Unterstützung und Therapie durch Kunst. Sie schaffen einen sicheren Raum, in dem Menschen komplexe Emotionen im Zusammenhang mit Krieg, Verlust oder Ängsten verarbeiten können. Dies geschieht durch Musik, Theater, Dokumentarfilme und andere Kunstformen, die helfen, Gefühle auszudrücken und Unterstützung zu finden. Auf den Festivals werden oft interaktive Programme, Straßenaktionen und Workshops organisiert, die die Teilnehmer zur aktiven Interaktion einladen. Solche Veranstaltungen fördern nicht nur den kreativen Selbstausdruck, sondern auch die Stärkung der Gemeinschaft und der Solidarität unter den Besuchern. Zum Beispiel ermöglichen Kunsttherapie-Workshops oder gemeinsame musikalische Darbietungen den Menschen, Unterstützung zu spüren und zu verstehen, dass sie mit ihren Sorgen nicht allein sind. Außerdem fand 2022 auf der Berlinale erstmals ein Sonderprogramm Art and Therapy statt, bei dem Dokumentarfilme über Menschen, die Konflikte überlebt haben, gezeigt und runde Tische mit Psychologen und Künstlern organisiert wurden. Diese Veranstaltungen sollen den Zuschauern helfen, die Erfahrungen anderer besser zu verstehen und sich an der Diskussion über die Bewältigung von Traumata zu beteiligen.

All dies verändert die traditionelle Wahrnehmung eines Festivals – es ist jetzt nicht mehr nur eine Veranstaltung zur Erholung und zum Vergnügen, sondern ein Ort des Erfahrungsaustauschs und des Mitgefühls. Festivals werden zu einem lebendigen Raum, in dem Kunst hilft, die Seele zu heilen und Brücken zwischen Menschen zu bauen, die schwierige Lebenssituationen durchmachen. Dieser Ansatz macht die Festivalveranstaltungen in Berlin tiefgründiger und bedeutungsvoller für die Teilnehmer. Besonders wichtig ist, dass die Kunst hier die Rolle einer Art psychologischen Raums einnimmt. Die Teilnehmer haben die Möglichkeit, nicht nur zu beobachten, sondern auch aktiv an der Schaffung einer gemeinsamen Geschichte und Unterstützung teilzunehmen. Dies schafft ein Gefühl der Zugehörigkeit und hilft den Menschen, die Kraft zu finden, weiterzumachen, selbst in den schwierigsten Zeiten.