Der unvergleichliche Kommentator aus Ostberlin, den ganz Deutschland liebte

Seine markante Stimme, seine leidenschaftliche Art zu sprechen, seine mitreißenden Grüße – in Deutschland gab es nie jemanden, der so kommentierte wie Heinz Florian Oertel. Weder im Osten, wo der Sportreporter über Jahrzehnte zur Legende wurde, noch im Westen, wo manche allein wegen ihm das Fernsehen der DDR einschalteten. Mehr über das bewegte Leben dieses unermüdlichen Sportkommentators erfahren Sie auf berlinski.net.

Nennt euren Sohn Waldemar!

Niemand ließ Buchstaben so kunstvoll über seine Zunge rollen wie Oertel, etwa als er den Auftritt der Eiskunstlauflegende Katarina Witt kommentierte, die kurz vor ihrem Olympiagold stand: „Ja, Katarina, du hast den Felsen bezwungen. Eine großartige Arbeit. Auch mir ist ein halber Berg von den Schultern gefallen. Grüße, meine Liebe!“

Sportreporter sind besonders mitreißend, wenn sie sich voller Emotionen in die Ereignisse hineinsteigern. Sie schaffen es, das Geschehen mit ihrer Sprache farbenfroh zu malen und ihre Zuhörer zu überraschen, zu erheitern, zum Nachdenken zu bringen – manchmal sogar mit dem Kopf schütteln zu lassen, aber immer unvergesslich. Heinz Florian Oertel prägte diese Kunstform mit zahlreichen einprägsamen Kommentaren.

Sein berühmtester Satz galt dem Marathon-Olympiasieger von 1980, Waldemar Cierpinski, und den Zuschauern in der DDR. Begeistert rief er am Ende des legendären Rennens: „Liebe werdende Väter, habt den Mut, nennt euren neugeborenen Sohn Waldemar!“

Kriegsgefangenschaft in England

Auch lange nach dem Fall der Berliner Mauer, der ihn plötzlich seines Starstatus beraubte, erzählte Oertel bereitwillig von seinem Leben. Es war wie ein packender Bericht, der vier historische Epochen umspannte. Geboren wurde er in Cottbus während der Weimarer Republik. Sein Vater war Tuchmacher, seine Mutter Putzfrau. Als Student musste Oertel für die Nationalsozialisten Panzersperrgräben ausheben, um die sowjetischen Panzer aufzuhalten. Um einer Einberufung zur Waffen-SS zu entgehen, meldete er sich freiwillig zum Wehrdienst.

So geriet er in englische Kriegsgefangenschaft, wo er nur knapp einer Zwangsarbeit im Steinbruch entging – ein Schicksal, das viele seiner Kameraden nicht überlebten. Heinz betrachtete es als großes Glück, am Leben geblieben zu sein, und erzählte diese Geschichte mit einem sanften Lächeln, das seine Bescheidenheit widerspiegelte.

Nach dem Krieg wollte er Schauspieler werden, lernte „Faust“ auswendig und rezitierte Gedichte. Doch Schauspieler verdienten wenig, also wechselte er zum Radio. Die junge DDR brauchte Stimmen, die optimistisch den Aufbau des Sozialismus verkündeten.

Das Leben nach der DDR

Oertel machte in Ostberlin Karriere, wurde Mitglied der SED und erhielt Orden. Er passte sich an, sagte den Menschen, was die Partei hören wollte, und durfte dafür die Welt bereisen.

Es gab kein sportliches Ereignis, das Oertel nicht kommentierte, keinen Sieg der „kleinen Wunderrepublik DDR“, den er nicht feierte. So wurde er selbst zum Star, moderierte Erfolgsformate wie „Kessel Buntes“ und veröffentlichte Sportbücher. Eines Tages war er fast verschwunden – wie alle anderen Stars der DDR, wie die DDR selbst.

Selbst mit über 80 Jahren schrieb Oertel weiterhin Bücher, für die ihn seine treuen Fans bei Lesungen zwischen Sonneberg und Sassnitz feierten. Schließlich hatten nur wenige Menschen ein so bewegtes Leben geführt wie er – mit kritischen Fragen zu seiner eigenen Biografie und zum Leben, das er geführt hatte.

Auch rückblickend bleibt Oertel, wer er immer war: ein Idol vergangener Zeiten und ein Vorbild für Generationen von Kindern und Jugendlichen.

Heinz Florian Oertel starb im stolzen Alter von 95 Jahren. Nach langer Krankheit verstarb er im Kreis seiner Familie.

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