Am Abend des 12. September 1931, am jüdischen Neujahrsfest, kam es auf dem Kurfürstendamm und den angrenzenden Straßen im Berliner Stadtteil Charlottenburg zu einer massiven Versammlung von SA-Mitgliedern. Die SA-Schlägertrupps zogen in kleinen Gruppen durch die Straßen und skandierten antisemitische Parolen wie „Juda verrecke!“ und „Tod den Juden!“. Dabei kam es nicht nur zu Beleidigungen, sondern auch zu physischen Übergriffen. Mehr über die Geschichte der jüdischen Gemeinde während der Machtergreifung der Nationalsozialisten erfahren Sie auf berlinski.net.
Nationalsozialisten an der Macht

In den ersten Wochen und Monaten nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten richtete sich der Terror gegen viele Berliner Juden, die zu politischen Gegnern der NSDAP zählten. Viele von ihnen wurden misshandelt und in Konzentrationslager gebracht. Auch führten Polizeibehörden Razzien im „Scheunenviertel“ durch, die sich gegen orthodoxe Juden richteten. Dies markierte den Beginn der wirtschaftlichen und sozialen Isolierung, die durch Maßnahmen des Berliner Staatskommissars Julius Lippert weiter verstärkt wurde. Ein erster Höhepunkt war der landesweite Boykott jüdischer Geschäfte am 1. April 1933.
Die NSDAP-Führung rief Ende März zum Boykott der jüdischen Bevölkerung auf. Ab dem 1. April sollten die Maßnahmen auch in Berlin organisiert werden. Propagandaaktionen begleiteten die Ereignisse. SA-Mitglieder postierten sich vor jüdischen Geschäften, Kaufhäusern, Anwaltskanzleien und Arztpraxen, um den Betrieb zu stören und Kontakte zwischen Juden und Nichtjuden zu verhindern. Obwohl die Aktion bereits nach einem Tag beendet wurde, läutete sie eine Welle von antijüdischen Maßnahmen in Berlin ein.
Das Memorandum zum Umgang mit Juden

Infolge der sogenannten Machtergreifung begannen Berliner Juden langsam zu emigrieren, ab 1938 jedoch immer schneller. Ende 1937 lebten noch etwa 140.000 Juden in Berlin, im September 1939 waren es weniger als 83.000.
Das „Memorandum zum Umgang mit Juden in der Reichshauptstadt in allen Lebensbereichen“ stammt aus dem Jahr 1938. Dieses strategische Dokument wurde vom Berliner Gestapo im Auftrag von Goebbels und unter Leitung des Berliner Polizeipräsidenten Wolf-Heinrich Graf von Helldorff erstellt. Es diente als Leitfaden für die zukünftige antisemitische Politik in Berlin.
In der Pogromnacht 1938 wurden die meisten Berliner Synagogen, insgesamt 20, und mindestens 30 jüdische Bethäuser in Brand gesteckt. Die große Synagoge blieb unversehrt. Ziel der gewaltsamen Übergriffe waren Kaufhäuser und jüdische Institutionen. Tausende jüdischer Männer wurden entweder verhaftet oder in das Konzentrationslager Sachsenhausen deportiert. Im November 1938 erreichte die „Arisierung“ zahlreicher jüdischer Unternehmen in Berlin ihren Höhepunkt.
Jüdische Einrichtungen wie die Jüdische Gemeindebibliothek, das Jüdische Museum und das Rabbinerseminar wurden geschlossen, geplündert und beschlagnahmt.
Erster Deportationszug

Am 1. Dezember 1938 verließ der erste Kindertransport mit 196 jüdischen Kindern den Anhalter Bahnhof in Richtung London. Dies war der Beginn einer Rettungsaktion für rund 10.000 jüdische Kinder aus ganz Deutschland, die bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs andauerte.
Die Einschränkungen des jüdischen Alltagslebens nahmen zu: Verbot des Besuchs von Badeanstalten, Betretungsverbote für Regierungsviertel, Einschränkungen der Nutzung öffentlicher Einrichtungen und mehr.
Im Frühjahr 1940 weitete das Arbeitsamt die Liste „geschlossener Berufe“ aus. Alle jüdischen Männer bis 55 Jahre und Frauen bis 50 Jahre mussten Zwangsarbeit leisten, darunter Müllabfuhr, Straßenreinigung und Tätigkeiten bei städtischen Verkehrsbetrieben.
Am 18. Oktober 1941 verließ der erste Deportationszug Berlin vom Bahnhof Grunewald mit Ziel Litzmannstadt.