Das deutsche Kino der frühen 1900er-Jahre brachte viele große Stars hervor, von denen einige eng mit der Politik verbunden waren. Die Nazi-Zeit hinterließ dabei tiefe Spuren im Theater- und Filmgeschäft. Einer, der sich von Hitlers Regime distanzierte, aber dennoch weiter auf der Bühne und im Kino brillierte, war Hans Albers. Der beliebte Schauspieler und Sänger galt als die singende Legende Hamburgs – seine Heimatstadt feierte ihn, aber auch Berlin, wo er in zahlreichen Theatern spielte, war stolz auf ihn. Mehr auf berlinski.net.
Die Leidenschaft für das Theater

Hans-Philipp-August Albers wurde im September 1891 in eine Arbeiterfamilie hineingeboren und war das jüngste von sechs Kindern. Seine Liebe zur Bühne entfachte nach dem ersten Besuch im örtlichen Theater. Um sich Tickets leisten zu können, arbeitete er als Bootsreiniger. Sein Vater jedoch war strikt gegen eine Schauspielkarriere und bestand darauf, dass Hans eine kaufmännische Ausbildung in Hamburg absolvierte. So arbeitete er eine Zeit lang in einer Seidenfirma in Frankfurt. Doch heimlich finanzierte ihm seine Mutter privaten Schauspielunterricht.
Mit 20 Jahren kehrte er dem Handel den Rücken und wagte sich endgültig auf die Bühne. Zunächst als Bühnenbildner tätig, wurde er später in die Theatertruppe des Neuen Theaters in Frankfurt aufgenommen. Es folgten Engagements in Frankfurt, Köln und Hamburg – seine blonden Haare und strahlend blauen Augen machten ihn bei den Regisseuren beliebt. 1915 erhielt er seine erste Filmrolle in Seasons of Life. Sein großer Traum war Berlin, doch der Erste Weltkrieg durchkreuzte seine Pläne.
Erfolge im Theater und im Stummfilm

Während des Krieges kämpfte Hans Albers an der Ost- und Westfront, bis ihn eine schwere Verwundung zur Aufgabe des Militärdienstes zwang. Nach Kriegsende zog es ihn nach Berlin, wo er sich unter Hunderten arbeitsloser Schauspieler behaupten musste. Doch er hatte Glück: Zunächst wurde er an der Komischen Oper, später am Metropol-Theater engagiert. Sein Mentor Eugen Burg führte ihn in die Welt des Stummfilms ein. Albers erwies sich als äußerst fotogen, besonders für Schurkenrollen in Komödien, Operetten und Revuen.
Trotz zahlreicher Theaterrollen und über 100 Auftritten in Stummfilmen ließ der große Durchbruch auf sich warten. Später sagte er selbst, dass er 20 lange Jahre auf seinen großen Moment warten musste.
Hans Albers und der Triumph des Tonfilms

Der Aufstieg zum Filmstar
Mit dem Aufkommen des Tonfilms begann Albers’ steiler Aufstieg. Sein Talent fiel den renommierten Regisseuren Erwin Piscator und Gustav Gründgens auf, nachdem er in der Hauptrolle des Stücks Der Verbrecher brillierte. Seine beeindruckende Bühnenpräsenz machte ihn in Berlin rasch berühmt.
Sein Filmdebüt im Tonfilm gab er mit Die Nacht gehört uns – ein solcher Erfolg, dass er bald darauf mit der größten deutschen Filmdiva Marlene Dietrich in Der blaue Engel (1930) spielte. In den folgenden Jahren wirkte er in zahlreichen Kassenschlagern mit, darunter Bomben auf Monte Carlo (1931), F.P.1 antwortet nicht und Der Sieger (beide 1932). Trotz des neuen Mediums blieb er dem Theater treu und stand abends weiter auf der Bühne.
Zwischen zwei Fronten

Als die Nationalsozialisten 1933 an die Macht kamen, war Hans Albers auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Joseph Goebbels erkannte sofort das Potenzial des blonden, blauäugigen Schauspielers als arisches Vorzeigemodell und versuchte, ihn für Propagandazwecke zu gewinnen. Doch Albers hielt sich von der NS-Politik fern. Er mied offizielle Kontakte und ignorierte Einladungen zu politischen Veranstaltungen. Besonders heikel war seine Beziehung zu seiner jüdischen Partnerin Hansi Burg, der Tochter seines Mentors Eugen Burg. Als die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung eskalierte, verhalf er Hansi 1939 zur Flucht nach Großbritannien.
Dennoch blieb Albers in Deutschland und drehte weiter Filme – darunter auch solche, die von den Nazis finanziert wurden. Während er sich von der Propaganda fernhielt, spielte er in Werken wie Carl Peters, Flüchtlinge und Henker, Frauen und Soldaten, die teils ideologische Botschaften enthielten.
Seine ikonischste Filmrolle

Als seine beste Rolle gilt die des Münchhausen im gleichnamigen Film von 1943, der zur Feier des 25-jährigen Jubiläums der UFA produziert wurde. Goebbels erwartete einen weiteren Publikumsliebling mit Große Freiheit Nr. 7 (1944), doch der melancholische Ton des Films entsprach nicht der heroischen NS-Ideologie. Dennoch gewann Albers in der Rolle eines alternden Seemanns mit Hang zum Alkohol die Herzen des Publikums.
Filmhistoriker sind sich einig: Dass Albers trotz der politischen Lage in Deutschland blieb, half vielen Bürgern, in dunklen Zeiten an etwas Vertrautem festzuhalten.
Die goldene Stimme Hamburgs

Neben der Schauspielerei hatte Hans Albers auch eine beeindruckende Musikkarriere. Sein erster Song Der Reeperbahn erschien 1936, und La Paloma, gesungen in Große Freiheit Nr. 7, wurde zu einem zeitlosen Hit. Sein Gesangsstil war voller Emotionen, was Kollegen wie Achim Reichel und Evelyn Künneke besonders bewunderten. Auf der Reeperbahn nachts um halb eins wurde zur Hymne des Hamburger Stadtteils St. Pauli. Ein weiterer Klassiker war Flieger, grüß mir die Sonne, der weit über Deutschlands Grenzen hinaus bekannt wurde.
Nach dem Krieg veröffentlichte Albers mehrere Schallplatten, die sich in Deutschland großer Beliebtheit erfreuten.
Die letzten Jahre eines Ausnahmetalents

Hans Albers entging sowohl der Verfolgung durch die Nazis als auch der Verhaftung durch die Sowjets nach dem Krieg. 1946 kehrte Hansi Burg aus dem Exil zurück, und sie lebten bis zu seinem Lebensende zusammen am Starnberger See.
Er konnte auch nach dem Krieg seine Karriere fortsetzen. In den späten 1940er-Jahren übernahm er zunehmend Vaterrollen und bewies in Filmen wie Nachts auf den Straßen und Vor Sonnenuntergang weiterhin sein Können. Seine letzte Filmrolle spielte er 1960 in Kein Engel ist so rein.
Er erhielt zahlreiche Ehrungen, darunter den Goldenen Bären für den besten männlichen Hauptdarsteller bei der Berlinale 1956 sowie das Bundesverdienstkreuz, das ihm 1960 von Bundespräsident Heinrich Lübke verliehen wurde.
Hans Albers verstarb im Juli 1960 in Kempfenhausen. Während Berlin, die Stadt, in der er jahrelang auf der Bühne stand, ihm keine Ehrung zuteilwerden ließ, trägt der Hans-Albers-Platz in Hamburg seit 1964 seinen Namen.
Джерела:
- https://www.imdb.com/name/nm0002161/bio/?ref_=nm_ov_bio_sm
- https://www.ndr.de/geschichte/koepfe/Hans-Albers-Die-singende-Schauspiel-Legende-aus-Hamburg,albers104.html
- https://www.bear-family.com/albers-hans/?srsltid=AfmBOorxy5dgkU1TwdVjbyGYLICltTOk6twPFSS6ZT9_pla67VnkF8gp
- https://www.byte.fm/artists/hans-albers/