Berliner Theatertreffen

West-Berlin verwandelte sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in einen Vorposten der militärischen Präsenz demokratischer Länder an der Grenze zwischen Westeuropa und Osteuropa. Neben den Soldaten schützten den Frieden in diesem Teil der Welt auch Regisseure, Schauspieler und Drehbuchautoren. Jeder an seinem Platz: Die Militärs auf Wachtürmen und in Panzertürmen, die anderen auf der Theaterbühne des Berliner Theatertreffens. Mehr über dieses Ereignis, das seit mehr als 60 Jahren existiert, erzählt die Publikation berlinski.net.

Geschichte der Gründung und Tätigkeit des Festivals in den 1960-80er Jahren

Wie die Quelle web.archive.org berichtet, begann die Gründung des Berliner Theaterfestivals mit der Einladung von 5 deutschen Theatern durch die Organisation Berliner Festwochen zu Gastspielen. Bereits im Jahr 1964 fand das erste Theatertreffen statt, das damals den Namen „Berliner Theaterwettbewerb“ trug. Zu dieser Zeit wurden die Festivalstrukturen etabliert, die bis heute bestehen. Dazu gehört insbesondere eine Jury, die die 10 besten Inszenierungen des Jahres auswählt (in den Anfangsjahren waren es 5) und sie nach Berlin einlädt.

Von Beginn an wurde die Veranstaltung als „Schaufenster des Westens“ bezeichnet, denn Berlin war von Territorien der DDR umgeben. Alles, was in Berlin geschah, konnte von den Menschen in Ostdeutschland wahrgenommen werden. Darüber hinaus wurden auch Theater aus Ostdeutschland auf die Bühne des West-Berliner Theaterfestivals eingeladen, wodurch das Festival auch eine propagandistische Rolle spielte.

Im Jahr 1965 trug das Festival den Namen „Treffen“, doch bereits 1966 entstand die moderne und bis heute bekannte Bezeichnung „Theatertreffen“. 1967 wurde ein Sponsorenunternehmen für das Theaterfestival gegründet.

Seit 1965 existiert im Rahmen des Festivals das Internationale Forum Theatertreffen. Ziel war es, junge Bühnenkünstler aus Deutschland zu informieren und ihnen die Möglichkeit zu Diskussionen zu bieten. Ab 1970 wurde das Forum auch für Künstler aus Österreich und der Schweiz geöffnet. Das Festival spielte eine bedeutende Rolle für die Entwicklung und Erfahrung junger Regisseure. Hier waren unter anderem Peter Zadek (21 Mal), Claus Peymann (19 Mal) und Peter Stein (18 Mal) zu Gast.

Ab 1978 wurde das Berliner Theatertreffen zum Ausgangspunkt für ein Projekt zur Finanzierung von Theateraufführungen in den deutschsprachigen Ländern. Seit 1980 gibt es im Rahmen des Festivals Seminare zur Ausbildung von Theaterschaffenden. Das Internationale Forum des Festivals gewann weltweite Bedeutung und öffnete sich für die ganze Welt.

Im Jahr 1989, als die Welt gespannt auf Neuigkeiten aus der Sowjetunion wartete, die kurz vor dem Zusammenbruch zu stehen schien, wurde Theatern aus der DDR die Teilnahme am Festival erlaubt. Für die Veranstaltung wurde erneut der Slogan relevant, das „Bild des deutschsprachigen Theaters“ zu präsentieren und nicht mehr als „Schaufenster des Westens“ zu dienen. Veränderungen waren im Gange, sowohl in der Politik als auch in der Kultur.

Berliner Theatertreffen zu Beginn des 21. Jahrhunderts

Seit den 2000er Jahren wurde das Festival zu einem Treffpunkt für Dramatiker aus ganz Europa. Jedes Jahr sichtete die Jury eingesandte Stücke und wählte 5-7 Werke aus, die während des Festivals gelesen wurden.

Ab 2005 begann die Veröffentlichung einer Festivalzeitung, die jungen Journalisten die Möglichkeit bot, Theaterrezensionen zu schreiben. Gleichzeitig wurde das Wissen über das Festival für Leser der Printmedien erweitert. 2009 entstand der erste Festival-Blog „Theatertreffen“.

Seit 2015 wurde das Internationale Forum allmählich politisiert und wandelte sich von einer Plattform für Theaterkritiker zu einem Ort, der offen für gesellschaftliche Dynamik war. Seitdem diente alles, was auf dem Forum geschah, als Spannungsfeld zwischen Kunst, Politik und Gesellschaft.

2017-2018 kamen Theater aus anderen Ländern zum Festival. 2019 wurde eine Frauenquote eingeführt, die vorschrieb, dass 5 der 10 eingeladenen Stücke von Regisseurinnen inszeniert sein mussten.

Verfahren zur Auswahl der Stücke für das Festival

Das Festival findet jährlich im Mai statt. Eine Jury aus 7 Theaterkritikern aus deutschsprachigen Ländern wählt die 10 besten Inszenierungen des Jahres aus. Die endgültige Entscheidung fällt 12 Wochen vor Festivalbeginn.

COVID-19 und die Arbeit des Festivals

Im März 2020 wurde das 57. Theatertreffen abgesagt, was auch zur Absage des Play Markets, des Internationalen Forums und der Preisverleihungen führte. Ein Teil der Aufführungen wurde online gezeigt.

2021 fand das 58. Festival erneut digital statt. 2022 kehrte das Festival wieder zur Präsenz zurück.

Nora Hertlein-Hall – Die neue Leiterin des Festivals

Die zukünftige Leiterin des Festivals, Nora Hertlein-Hall, wurde 1982 in Österreich geboren. Sie arbeitete zuletzt in Hamburg am Thalia Theater und kuratierte internationale Programme.

Ihr Fokus liegt auf der Stärkung der Identität des Festivals. Die enge Zusammenarbeit mit Regisseuren und Schauspielern spielt dabei eine wesentliche Rolle.

Das nächste Festival ist für den Zeitraum 2. bis 19. Mai 2024 geplant.

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